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CATUS AG Wochenbericht: Sind nun auch die Gehirne der Börsianer infiziert?

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Wenn ich heute auf den Kursmonitor blicke und kurz vor 16 Uhr einen DAX-Stand von 11.465 sehe, dann stelle ich mir schon die Frage, wie ich sie in der Überschrift formulierte.

Um dies noch etwas verständlicher zu machen, erzähle ich Ihnen eine Begebenheit von Mitte Februar 2020 – der DAX hatte gerade sein historisches Rekordhoch von rund 13.800 Punkten erreicht. Ich war auf einer abendlichen Bankenveranstaltung eingeladen. Die Stimmung der anwesenden Gäste war, angesichts der Rekordstände an den internationalen Aktienmärkte, fast schon ausgelassen. Der Redner zeichnete eine positive Marktperspektive. Ich hörte DAX-Prognosen von 14.500 bis 15.000 (mindestens) im Jahresverlauf 2020. Alle Investoren werden weiterhin beherzt Aktien kaufen, dies sei ja alternativlos.

Als ich in diversen Gesprächen an den Stehtischen bei einem Glas Wein nicht in die Jubelarie einstimmen mochte und eine kritischere Prognose (zumindest für die kommenden Monate) darlegte wurde ich fast ausgelacht. „Ewiger Bär“ und ähnliche Titel durfte ich mir anhören.

Ich erzähle Ihnen das bestimmt nicht deshalb, weil ich damit nun Genugtuung verbinde, ganz und gar nicht. Es geht mir viel mehr um die Logik (bzw. fehlende Logik) des Herdentriebs bzw. des prozyklischen Handelns. Bei einem DAX-Niveau von 13.800 (der S&P 500 notierte bei 3.380) konnte  man den Eindruck gewinnen, dass es ab morgen keine Aktien mehr zu kaufen gibt, alles ausverkauft. Und heute, nach einem Rückgang im DAX von knapp 17% wird so getan, als ob Aktien ja von jeher nur etwas für Spielernaturen sei, im Grunde genommen sogar Teufelszeug.

Niemand kann aktuell seriös die gesamte Auswirkung der Corona-Epedemie auf die Weltwirtschaft im Detail einschätzen. Allerdings bin ich sehr sicher, dass Unternehmen mit einem robusten Geschäftsmodell und soliden Bilanzen diese Entwicklung meistern werden und starke Kurskorrekturen bei solchen Unternehmen, gute Kaufgelegenheiten darstellen. Es wird immer ein morgen an den Kapitalmärkten geben.

Die Fed beweist mit ihrer Zinssenkung wenig Fingerspitzengefühl

Diese Woche überraschte die amerikanische Notenbank die Märkte mit einer Zinssenkung von 0,50 Prozent. Fed-Chef Jerome Powell und seine Mitstreiter wollten damit die Entschlossenheit der Fed demonstrieren, frühzeitig und deutlich den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epedemie zu begegnen. Vielleicht wollte er auch entsprechenden Forderungen von Präsident Trump zuvorkommen?

Die Kapitalmärkte interpretierten es eher als „Panikaktion“. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen zunächst nur eine Zinssenkung von 25 Basispunkten vorzunehmen und den Märkten verbal zu vermitteln, dass die Notenbank mit ihrem gesamten Werkzeugkasten Gewehr bei Fuss steht. Erinnern Sie sich an das „what ever it takes“ von Mario Draghi im Sommer 2012 auf dem Höhepunkt der Eurokrise? Dort hat das verbale Statement eine echte Marktberuhigung bewirkt.

Zur Ehrenrettung der Fed sei jedoch auch angemerkt, dass jede Notenbank in der aktuellen Situation an die Grenzen ihrer Politik stößt. Wenn die Angebotsseite (Unterbrechung von Lieferketten) und die Nachfrageseite (man kann die (verängstigten) Konsumenten nicht zum Geldausgeben zwingen) gestört ist, dann kann eine Notenbank kurzfristig wenig bewirken. Und die Rentenmärkte (lange Laufzeiten) gehen sowieso ihren eigenen Weg.

Die Grafik zeigt die Renditeenwicklung 10-jähriger Staatsanleihen aus Deutschland (blau) und Amerika (rot) seit 01.01.2016

 

 

 

Kurzüberblick über die wichtigsten Märkte:

Vorwoche
Veränderungen* Kurs heute 18:23 Uhr
DAX: 11.885 -3,02% 11.526
Euro Stoxx 50: 3.338 -3,32% 3.227
S&P 500: 2.914 +0,62% 2.932
Nikkei 225: 21.143 -1,86% 20.750 (Schlusskurs heute)
* VERÄNDERUNG ZUM FREITAG DER VORWOCHE

Rendite 10 jährige Bundesanleihen:

-0,716% p.a.

Volatilitätsindex (CBOE Volatility Index)

Die Volatilität (CBOE Volatility Index) schwankte diese Woche zwischen 27,9 und extremen 50 Punkten.