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CATUS-Wochenbericht: Stößt die EZB an die Grenzen der Geldpolitik?

Die gestrige Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) beherrschte die vergangene Börsenwoche. Mario Draghi gab sich keine Blöße und drückte das geldpolitische Gaspedal noch einmal kräftig durch. Allerdings reagierten die Kapitalmärkte nach einer anfänglichen Euphorie im weiteren Tagesverlauf mehr als ernüchternd.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank verkündete am Donnerstagnachmittag ein ganzes Bündel von Maßnahmen: Der Leitzins, der bisher bei 0,05 % lag, wird erstmals auf null gedrückt. Der Einlagenzins (für Geld, das die Geschäftsbanken bei der EZB deponieren) sinkt um weitere 0,1 Punkte auf -0,4 %. Die Notenbank erhöht die Summe ihrer monatlichen Wertpapierkäufe um 20 auf 80 Milliarden Euro. Und sie erweitert das Kaufprogramm ab dem Ende des zweiten Quartals auch auf unbesicherte, eurodenominierte Unternehmensanleihen mit erstklassiger Bonität aus dem Nichtbankenbereich. Darüber hinaus stellt die EZB den Banken ab Juni 2016 längerfristige Refinanzierungsoperationen zur Verfügung, sogenannte TLTROs (Targeted longer-term refinancing operations). Der Zinssatz für diese Kredite kann durchaus dem Einlagensatz (-0,4 %) entsprechen. Das heißt, die Banken bekommen von der EZB Geld, wenn sie sie zur Ausweitung des eigenen Kreditgeschäfts in Anspruch nehmen. Zudem änderte die EZB ihre Forward Guidance. Sie stimmte die Marktakteure auf eine lange Phase mit sehr niedrigen Leitzinsen ein.

Achterbahnfahrt der Aktien- und Devisenkurse

Nach einer ersten Euphorie, die den DAX auf fast 10.000 Punkte trieb und den Euro im Verhältnis zum US-Dollar auf 1,085 sinken ließ, drehte sich die Stimmung rasant. Im Verlauf des Nachmittags- und Abendhandels sank der deutsche Leitindex um atemberaubende 600 Zähler auf knapp unter 9.400 Punkte. Der Euro drehte heftig nach oben und notierte am späten Nachmittag oberhalb der 1,12-Marke.

Was war die Ursache für diese extremen Kursbewegungen? Wirtschaftsjournalisten interpretierten nach der Pressekonferenz Mario Draghi dahingehend, dass mit den angekündigten Maßnahmen zunächst das Ende der Fahnenstange in Sachen Zinssenkungen erreicht sei. Witterten die „Börsenjunkies“ schon wieder zukünftige Engpässe in der Versorgung mit der Droge Liquidität? Es ist müßig, darüber zu spekulieren. Fakt ist, dass der DAX um 600 Punkte fiel, um sich heute wieder um gut 400 Punkte zu erholen. Das ist Achterbahn pur und dies, wohlgemerkt, im Index der deutschen Standardaktien. Der Euro will auch heute seine etwas stärkere Tendenz nicht aufgeben und notiert zur Stunde in Relation zum US-Dollar bei 1,115.

Die EZB senkt ihre Wachstums- und Inflationsprojektionen und steht zunehmend in der Kritik

Die Notenbank senkte den Ausblick für das BIP-Wachstum für 2016 von 1,7 auf 1,4 %, für 2017 von 1,9 auf 1,7 % und für 2018 von 1,9 auf 1,8 %. Stärker noch die Anpassung bei den Inflationserwartungen: Für die Jahre 2016 bis 2018 rechnet die EZB mit Teuerungsraten von 0,1, 1,3 und 1,6 % (bisher 1,0, 1,6 und 1,8 %).

Die Schar der EZB-Skeptiker kritisierte die EZB-Beschlüsse teils harsch. Die Grenzen der Geldpolitik seien längst überschritten und deren Wirksamkeit mehr als fraglich. Den deutschen Kritikern redete Mario Draghi teils auf Deutsch ins Gewissen und prangerte ihre „Nein-zu-alles-Strategie“ an.

Fazit: Kritik hin oder her. Die Politik der EZB ist so wie sie ist. Damit müssen alle gleichermaßen leben. Wir sehen unsere Aufgabe als Vermögensverwalter darin, die EZB-Politik (und natürlich auch die Entscheidungen anderer einflussreicher Notenbanken) als einen wichtigen Faktor an den Kapitalmärkten zu würdigen. Daran wird sich vermutlich noch lange Zeit nichts ändern. Also gilt es, das Beste daraus zu machen.

Index Wochentief Wochenhoch Kurs aktuell (20:00Uhr)
DAX 9.395 9.985 9.838
Euro Stoxx 50 2.940 3.125 3.074
S&P 500 1.969 2.018 2.014
Nikkei 225 16.495 17.015 16.938